Österreichischer Anti-Korruptionstag 2024 – Künstliche Intelligenz als Gamechanger für Integrität und Compliance?

In Allgemein

Beim Österreichischen Anti-Korruptionstag 2024 des Bundesamtes zur Korruptionsprävention und Korruptionsbekämpfung, der am 15. Mai 2024 im Josephinum in Wien stattfand, ging es um Fragen der Moral und Ethik in Zusammenhang mit Künstlicher Intelligenz. Insgesamt 150 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus der öffentlichen Verwaltung besuchten die hochkarätig besetzte Veranstaltung. Aufgrund des großen Interesses wurde erstmals auch ein Livestream angeboten.

Copyright: BMI/Tobias BOSINA, 15.05.2024 Wien, Österreichischer Anti Korruptionstag 2024, Josephinum, BAK, Bundesamt zur Korruptionsprävention und Korruptionsbekämpfung, Gerald GROß, Gerald GROSS, Verena DORNER, Peter KNEES, Michael FUNK, Helmut LEOPOLD

Moral und Ethik spielen eine wichtige Rolle in Zusammenhang mit Künstlicher Intelligenz. Das betonten Mathias Vogl, Sektionschef im Bundesministerium für Inneres, und Otto Kerbl, Direktor des Bundesamtes zur Korruptionsprävention und Korruptionsbekämpfung (BAK), bereits zu Beginn der Veranstaltung. Vogl dazu in seiner Eröffnungsrede: „Moral, Ethik, Integrität und Compliance sind die essenziellen Faktoren, mit denen wir den Rahmen für den Einsatz Künstlicher Intelligenz vorgeben können und müssen.“ Das bestätige sich auch in der Österreichischen KI-Strategie (Artificial Intelligence Mission Austria 2030) und dem im März vom Europäischen Parlament beschlossenen AI Act. Gleichzeitig sind es, so Otto Kerbl, auch „die besten Voraussetzungen, um Korruption zu verhindern. Welchen Einfluss KI auf Integrität und Compliance haben kann, ist deshalb für die Präventionsarbeit des BAK von großer Bedeutung.“

Eher kritisch setzte sich Philipp Blom, Autor, Historiker und Journalist, in seiner Keynote mit dem Thema auseinander. Unter dem Titel „Die Geister, die ich rief. Künstliche Intelligenz und Gesellschaft.“ wies er darauf hin, vor welche Herausforderungen Künstliche Intelligenz die Gesellschaft stellen könne: „Die Revolution der künstlichen Intelligenz verändert unsere Gesellschaften, denn sie schafft eine neue Kategorie: intelligente Dinge. Das revolutioniert nicht nur menschliche Arbeit, sondern auch soziale Beziehungen, persönliche Wahrnehmungen und Weltsichten. Ob das kompatibel ist mit der Demokratie als Forum mündiger, informierter Bürgerinnen und Bürger kann nur die Geschichte zeigen.“

Gespannt folgten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die großteils im Bereich der Compliance tätig sind, der Podiumsdiskussion „Auswirkungen der KI auf Demokratie und Gesellschaft“. Die Expertinnen und Experten aus dem universitären Bereich Verena Dorner (Wirtschaftsuniversität Wien), Peter Knees (Technische Universität Wien), Michael Funk (Universität Wien) und Helmut Leopold (Austrian Institute of Technology) beleuchteten unterschiedliche Aspekte der Entwicklung von Demokratien unter dem Einfluss von KI.

Sabine Köszegi, Mitglied des AI Advisory Boards der Österreichischen Bundesregierung und Vorsitzende des UNESCO-Beirats für Ethik der künstlichen Intelligenz, skizzierte eine mögliche Nutzung der KI in der öffentlichen Verwaltung. Mit der Frage „Hexerei oder Zauberformel?“ nahm sie eine menschenzentrierte Perspektive ein und meinte dazu: „In der öffentlichen Debatte wird KI-Technologie oft als eine unvermeidbare Entwicklung dargestellt, eine Welle, die uns überrollt und mit der wir leben lernen müssen. Mir fehlt dabei aber die Perspektive darauf, welche Rolle wir, der Mensch, in ihrer Entwicklung spielen bzw. spielen könnten. Diese Perspektive will ich aufzeigen. KI-Technologie ist – so wie auch alle anderen Technologien – ein kulturelles Artefakt und damit das Resultat unserer eigenen Vorstellungen. Darüber müssen wir sprechen: Wer soll von dieser Technologie profitieren, wofür wollen wir sie einsetzen und wie müssen wir sie designen, damit wir unsere Vorstellungen verwirklichen können?“.

Unter der Moderation von Bettina Knötzl, der Präsidentin des Beirates von Transparency International Austrian Chapter, diskutierten Gabriele Bolek-Fügl (CEO Compliance 2b), Michael Wiesmüller (Leiter der Abteilung Digitale- und Schlüsseltechnologien für industrielle Innovation, Bundesministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie), Günter Horniak (Leiter des Studiengangs Public Management an der FH Campus Wien) und Klaus Steinmaurer (Geschäftsführer im Fachbereich Telekommunikation und Post der RTR – Rundfunk und Telekom Regulierungs-GmbH) die Möglichkeiten und Gefahren der Nutzung von KI in der öffentlichen Verwaltung.

Ein Doktorand der TU Wien führte in einer Pause ein praktisches Beispiel für Künstliche Intelligenz vor. Er ließ die im Rahmen eines Gesetzwerdungsprozesses eingebrachten Stellungnahmen zusammenfassen und zeigte damit eindrucksvoll die Möglichkeiten, Grenzen und Gefahren von KI auf.

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